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Auf die Plätze - Fertig-Haus



Entschuldigende Einleitung - statt eines Vorwortes

Heißt das Fertighaus so, weil es rasch fix und fertig ist? Wir haben das geglaubt. Es war aber auch so leicht zu glauben, was der Hausanbieter uns erzählt hatte. Einen wunderbaren Zeitplan bekamen wir in die Hand und das Versprechen, dass die Firma nicht mehr als vier Monate brauchen würde, um das Haus fertig gestellt zu haben. Wir sahen uns bereits unter dem Weihnachtsbaum Geschenkpapier vor dem Kamin zerreißen und uns mit Champagner zuprosten. Nun gut, ich habe auch einmal an den Weihnachtsmann geglaubt und an das Sandmännchen. Zu unserer Entschuldigung muss ich hinzufügen, dass wir staunend wie die Kinder zusahen, als die äußere Hülle in Fertigteilen angeliefert wurde. Ende August war die Bodenplatte fertig und am ersten September stand die erste Etage! Nun ist es Ende Januar und wir leben seit einer Woche mit den Handwerkern in einer Art Lebensabschnittsgemeinschaft. Nun wissen wir, dass das Fertighaus so heißt, weil der Bauherr und die Baudame nach Erstellung und Bezug vollkommen fertig sind.

Grund genug

Das Grundstück ist ein Traum und Grund genug, um dort ein Traumhaus zu bauen. Wir entscheiden uns rasch zum Kauf. Es liegt direkt am Wald in einem wunderbaren Dorf im Bergischen Land. Ein Haus mit gutem Raumklima aus Holz soll es sein, in Wuppertal in der Fertighausausstellung finden wir nach langem Suchen und Häuser anprobieren, genau das passende. Wir haben vom Bauamt natürlich Auflagen, die aber kein Problem darstellen. Doch wir haben die Rechnung ohne den Amtsschimmel gemacht, der wiehert: „Bauen im Außenbereich!“ Die Baugenehmigung lässt auf sich warten, wir sammeln Unterlagen und legen dicke Ordner an. Wir lassen uns von Ausgleichsabgaben und Bodengutachten nicht die Laune verderben und gehen immer wieder am Grundstück spazieren. Das Bodengutachten bringt, anders als sein Name ahnen lässt, kein gutes Ergebnis. Die Bodenplatte muss verstärkt und speziell verankert werden, sonst könnte es sein, dass wir wegschwimmen. Das wollen wir natürlich vermeiden. Da wir im „Außenbereich“ bauen – was immer das bedeutet – müssen wir zum Ausgleich für die bebaute Fläche Bäume pflanzen. Für jeden Baum und auch für die Anpflanzung einer Hecke, werden uns Punkte gutgeschrieben. Um eine Ausgleichsabgabe vollkommen zu vermeiden, müssten wir zwanzig Bäume und eine Hecke mit unzähligen Hainbuchen anpflanzen. Ich habe nichts gegen Bäume, im Gegenteil, ich liebe Bäume. Doch für diese stolze Zahl an Eichen, Kirsch- und Apfelbäumen hätten wir ein weiteres Grundstück ankaufen müssen, denn unser Grund und Boden erweist sich als zu klein für die Anpflanzung einer Plantage. So zahlen wir die Ausgleichsabgabe und entscheiden uns für eine Eiche, einige Obstbäume und – rings um unser Grundstück – für eine Hainbuchenhecke.

Das Grundstück wird von uns mit einer Zeremonie in Besitz genommen. Ein Feng-Shui-Berater des Hausbauanbieters kommt eigens dafür angefahren. Nun kann ja eigentlich nicht mehr viel schief gehen …


Ein Haus, ein gutes Haus, das ist das Beste was es gibt auf der Welt …

Gut Ding will Weile haben, sagt ein Sprichwort und wenn das stimmt, dann haben wir das beste Ding auf dieser Welt. Unser Bauleiter war ganze zwei Mal auf der Baustelle. Ich finde es erstaunlich, dass es trotzdem immerhin ein so schönes Haus geworden ist. Die Handwerker mussten sich teilweise allein absprechen und die Gewerke gerieten in Verzug und durcheinander. Der erste Trockenbauer hatte zum Beispiel die Wände des Heizungsraums noch nicht mit Platten verkleidet, da baute der Installateur schon die Heizanlage ein. Alles musste hinterher um die Kabel und Rohre herum verlegt und verputzt werden, der Maler war begeistert. Der Trockenbauer war dann plötzlich verschollen, ging nicht ans Telefon, es gab auch keine Erklärung. Die Treppe kam zum Glück zum Tag des Einzugs, die Warmwasserbereitung funktionierte nicht, es war keine einzige Tür im Haus, außer der Haustür, im Obergeschoss gab es nur einen Estrich … Die Möbelpacker schoben alle Möbel im Untergeschoss in eine Ecke. Nach drei Wochen „wohnen“ gab es endlich die Fußleisten und die restlichen Türen. Es wurde munter gesägt, gebohrt, gehämmert und unsere Möbel waren unter Staubwolken begraben. Draußen sägen ging bei einigen Gewerken wohl nicht – Originalton (nachfolgender, zweiter) Trockenbauer: „Wenn ich die Fußleisten draußen sägen soll, dann müssen wir eine gesonderte Vereinbarung treffen.“

Nicht ein einziges Mal rief der Fertighausanbieter an, um sich zu erkundigen, wie es denn so funktioniere oder wie es uns im Chaos erginge … Kommunikation scheint für diese Firma ein Fremdwort zu sein. Einer der Handwerker meinte gar, er arbeite auf einer anderen Baustelle für dieselbe Firma, und dort sei es noch viel chaotischer als bei uns.

Die Handwerker haben gute Arbeit geleistet und das Haus ist von guter baulicher Qualität. Aber: Wir haben einen Fertighausanbieter gewählt, weil alle Arbeiten und Gewerke in einer Hand liegen und der Bauherr nichts mit der Koordination zu tun hat. Das war bei uns leider pures Wunschdenken. Ein zweites Mal würden wir unter diesen Voraussetzungen nicht mit der Firma bauen. Wir würden sie auch nicht weiter empfehlen. Es war einfach zu mühsam ständig nachfragen zu müssen, ob denn nun dies oder das schon in Planung oder Erledigung sei und der schöne Zeitplan, der uns vorgelegt worden war wurde mal eben kommentarlos um Monate überzogen.

Drei Wochen „wohnen“ wir nun schon hier in der Handwerker-WG und draußen liegt immer noch der Müll des ersten Trockenbauers, der vom zweiten mitgenommen werden sollte, der wiederum allerdings davon nichts wusste … eine endlose Liste von Pleiten, Pech und Pannen …



Kleines Lexikon vom Fertig-Hausbau


Anruf - kurzes Telefongespräch, während dem Termine vereinbart werden, die am Ende nicht eingehalten werden. Ein Anruf zieht – genau wie ein Fax oder ein Brief - immer Kosten von mindestens 1000 Euro nach sich.

Bauherr – der, der das Haus bauen lässt, sich mit dem Bauleiter und den Handwerkern herumschlägt und hinterher ein schönes Haus, kein Geld und ein Magengeschwür hat.

Bauleiter – selten reale, meist fiktive Figur, die Handwerker koordinieren soll, hält sich meist im Hintergrund und wartet auf die Nachfragen vom Bauherrn.

Grundstück – der Beginn einer Leiden schaffenden Affäre mit Ämtern, Bauleitern und Handwerkern. Es sei denn, man will nur ein paar Bäume anpflanzen und verzichtet auf das Haus, dann gibt es nur Ärger mit den Ämtern.

Handwerker – seltene Spezies, ernährt sich von Kaffee und Brötchen, ist ein gern gesehener Gast auf Baustellen, wo er sporadisch zu ungewöhnlichen Zeiten auftritt, oft zu zweit, hinterlässt gern seinen Abfall als Andenken, arbeitet am liebsten in Häusern, wenn bereits Menschen darin wohnen, die ihn mit seiner Lieblingsnahrung versorgen, schreibt ungern Rechnungen. Einige äußerliche Besonderheiten: Klempner/Installateure besitzen häufig das so genannte Klempnerdekolletee, das durch zu tief sitzende Hosen in Verbindung mit zu kurzen Pullis oder T-Shirts entsteht. Einigen Tischlern/Schreinern fehlen ein (oder mehrere) Finger

Fertighaus – schnell aufgebaut ist die Fassade, die eigenen vier Wände stehen innerhalb von 2-3 Tagen, allerdings täuscht der Name. Der Innenausbau dauert mehrere Monate und immer länger, als geplant. Die Bewohner ziehen meistens schon ein, wenn noch der Estrich liegt, damit sie die Handwerker besser mit Brötchen und Kaffee versorgen können.

Umzug – das Transportieren der Möbel und diverser Umzugskartons durch die Möbelpacker vom alten ins neue Domizil. Vor dem Umzug wird wochenlang alles eingepackt, nach dem Unzug dann werden Gegenstände in den Kisten gesucht, die sich meist im hintersten oder untersten Karton befinden. In liebevoller Kleinarbeit werden die Kartons dann umgeschichtet und wieder ausgepackt. Die Möbelpacker sind kräftige, arbeitswütige Gestalten, die fluchend, über zu schwere Kartons und schnaufend, zügig ihre Arbeit erledigen. Auch sie werden gern mit Kaffee und Brötchen versorgt, sind aber im Gegensatz zu den Handwerkern pünktlich.

Umzugskartons – das sind die Teile, die sich zuerst im alten und dann im neuen Domizil stapeln und über die man zunächst denkt: „Das sind viel zu viele“, und schließlich mindestens 50 nachbestellen muss. In den ersten Wochen sind diese Kartons der Nabel der Welt, sucht man doch ständig nach Dingen, die laut Beschriftung eigentlich dort drinnen zu finden sein sollten.

Umzugstermin – fiktives Datum, an dem der Umzug mit dem Umzugsunternehmer, der Einzug des Nachmieters und der Aufbau der Küche bereits fest geplant sind, der aber nicht eingehalten, sondern eine Woche vorher umgeworfen wird, um die Spannung zu steigern.