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Wanda

Wanda wurde am 20. März geboren. Eigentlich hieß sie Brennia Paluduz, aber wir nannten sie Wanda, denn sie ist ein Fisch (zumindest vom Sternzeichen her) und der Name passt zu ihr. Als Kind hatte ich einmal einen Irish Wolfhound gesehen und ich war fest davon überzeugt, dass einmal ein großer grauer Hund bei mir wohnen würde. Nun hat sich mein damaliger Wunsch erfüllt, auch wenn mein erster Hund kein grauer Ire sonder ein Schotte geworden ist. Die Deerhounds und die Wolfhounds sind eng verwandt und beide gehören zu den Windhunden, auch wenn man das beim IW nicht unbedingt vermutet.

Wanda mag ihre Couch, Leckerchen, Menschen, die sie streicheln, Küsschen geben, Ohren säubern, im Schnee herumspringen, ihre Freunde treffen, kleine Hunde und Katzen. Sie liebt es natürlich auch Häschen zu jagen, aber das darf sie nicht. Es gibt auch einiges, was sie nicht mag, dazu gehört es, gebürstet zu werden, beim Tierarzt eine Spritze zu bekommen, zu aufdringliche Rüden, besonders Rüden der Hunderassen Labrador/Retriever, Berner Sennenhund, Fliegen, die sie ärgern und die Wärme im Sommer.


Aber nun lasse ich doch Wanda am besten selbst etwas über sich und die Deerhounds erzählen.

Wir Deerhounds entstammen einer uralten Hunderasse. Es geht sogar das Gerücht um, dass wir die direkten Erben des Wolfs sind. So ungefähr wie der Mensch der Nachfahre des Affen ist, eben eine Art optimiertes Modell, obschon ich da beim Menschen meine Zweifel habe. Die Schotten haben unsere Fähigkeiten erkannt und uns in ihre Behausungen geholt. Dafür haben wir Hirsche für sie gejagt und getötet ... eine Hand wäscht die andere. In ihren Schlössern, Burgen und Landsitzen – wir lebten damals nur bei Adeligen – wurden wir gut behandelt. Die Jagdhundmeute musste draußen schlafen – wir hatten unseren Platz am Kamin

Ein sehr netter Mann, ein Dichter namens Sir Walter Scott hat über den Deerhound einmal poetisch gesagt, er sei „A most perfect creature of heaven“, nun, ob wir eine nahezu himmlisch perfekte Kreation sind, weiß ich nicht, aber wir sind auf jeden Fall etwas Besonderes. Dieser Mister Scott besaß einen Deerhound mit Namen Maida, also eigentlich war er kein reiner Deerhound, denn seine Mutter war zwar ein Deerhound, aber sein Vater ein Pyräneenhund (Pyrenean Wolfdog). Daher hatte er auch viel Weiß im Fell, sogar auf dem Rücken. Bei uns Deerhounds ist das aber nur an der Brust, an den Pfoten und an der Schwanzspitze erwünscht. Weiße Schwanzspitzen haben allerdings angeblich nur die edelsten Blutlinien … aber ich schweife ab. Es geht das Gerücht um, dass viele der besten Deerhounds von Maida abstammen. Er starb 1822, schlief ganz friedlich ein und sein Grab ist da, wo er auch gelebt hat, in Abbotsford, direkt vor der Tür seines Herrn.

Wir jagen nach Sicht, wie die anderen Windhunde auch und unser Name „Hirschjäger“ sagt ja auch schon einiges über unsere Aufgaben. Sehr wahrscheinlich stammen wir vom Greyhound ab, ich finde, das sieht man auch, wenn man genau hinschaut. In Schottland gibt es uns schon seit dem 16. Jahrhundert. Wir jagten dort zu Zweit, mussten den Hirschen stellen und niederdrücken. Bis zu zwei Tage lang kann einer von uns eine Hirschfährte verfolgen, beziehungsweise sie am nächsten Morgen wieder neu aufnehmen. Als die Schusswaffen erfunden worden, brauchte man uns und unsere Fähigkeiten eigentlich nicht mehr, wir verloren unsere Aufgabe. Um die Jahrhundertwende waren wir schon fast ausgestorben. Heute werden wir vor allem als Begleithund geschätzt, aber wir haben unsere eigentliche Bestimmung noch nicht vergessen. In Schottland werden wir immer noch zur Hasenjagd eingesetzt und in Kanada jagen wir Timberwölfe und Kojoten. In Deutschland, wo wir selten anzutreffen sind, gibt es Rennen und Coursings. Wir laufen einem falschen Hasen nach und auch das macht uns viel Spaß.

Queen Victoria hat Deerhounds gehalten in Windsor und Sandringham. Die Hunde ihrer Majestät hatten einen Bediensteten nur für sich allein, einen Mister Cole. Der hat sich ganz besonders gut um die adligen Hunde gekümmert. Einer der Lieblingshunde der Queen war Keildar, der durfte in Windsor Park Hirsche jagen. Ich gebe zu, ich bin ein wenig neidisch auf dieses Leben.

Es gibt da noch eine alte Geschichte, die immer wieder erzählt wird. Sie handelt von Beth Gelert und ist fast jedem Hundeliebhaber bekannt. Deerhound-Freunde denken, dass Beth Gelert ein Deerhound war. Irish-Wolfhound-Fans erheben auch Anspruch auf diesen Hund als einen mutigen Vertreter ihrer Lieblingsrasse. Entscheide der Leser selbst ob Gelert ein Deerhound oder ein Wolfhound gewesen ist.

Dies ist die Legende von Gelert, dem großen Hund des Fürsten Llewelyn des Großen von Wales.

Gelert war vor allem Spielgefährte und Beschützer des Sohnes der Fürstenfamilie. Eines Tages, als der Vater auf die Jagd gegangen war, streiften Hund und Kind durch den Wald, welcher die Burg umgab.
Dort wurden sie von zwei Wölfen angegriffen. In einem wütenden Kampf brachte Gelert
die beiden Angreifer zur Strecke, und handelte sich dabei schwere Verletzungen ein.

Zum Dank liebkoste der Knabe seinen Retter und war bald selbst über und über mit dem Blut
des Hundes besudelt. Erschöpft schliefen die beiden schließlich auf der Wiese ein.

So fand sie Fürst Llewelyn. Er sah nur das Blut an seinem Sohn, der wie leblos dalag, und dachte, der Hund sei verrückt geworden und über sein Kind hergefallen. Zornig zog er sein Schwert und versetzte Gellert, der seinen Herrn schwach wedelnd begrüßte, mit einem Hieb
den Todesstoss.

Zu spät erfuhr er von seinem Sohn, was tatsächlich passiert war. Voll Scham und Trauer ließ der Fürst da, wo Gelert begraben war, ein Ehrendenkmal errichten.

Bis heute heißt der Ort in der Nähe "Beddgelert" - Gelerts Ruhestätte - und die Dichter der damaligen Zeit machten den Hund mit einem Vers unsterblich:

Beddgelert
Er war die Blüte seiner Rasse,
so tapfer und so treu.
Zu Hause ein Lamm,
auf der Jagd war er ein Leu.
Nur an seines Herrn Llewelyns Tafel
aß Gelert sein Mahl.

Er behütete,
er diente,
er erheiterte seinen Herrn,
und bewachte sein Lager.

Um die Wahrheit zu sagen,
der
Irish Wolfhound Gelert,
er war ein unvergleichlicher Hund.
Ein Geschenk von König John.



Innere Werte - Charakterliches

Kurz gesagt, sind wir temperamentvoll auf Feld und Flur und ruhig im Haus. Wir sind freundlich und niemals misstrauisch, aggressiv oder ängstlich. Wenn wir erwachsen sind, zeigen wir uns mit ruhiger Würde … das habe ich zumindest im Rassestandard so gelesen.
Natürlich können wir uns nur richtig entwickeln, wenn wir entsprechend unseren Bedürfnissen behandelt werden. Wir zeigen dem unseren Gehorsam, dem wir gefallen wollen. Man muss uns nicht permanent sagen, wer der Chef im Hause ist, wir verstehen es auch so, wenn man es uns vorlebt. Wir möchten gar nicht das Rudel anführen, das tun wir nur, wenn es wirklich gar nicht anders geht, wenn unser Herrchen oder Frauchen ganz und gar unfähig ist, diese Rolle zu übernehmen. Wenn wir also einmal testen, ob „Er“ oder „Sie“ für eine Führungsposition geeignet ist, dann geschieht das immer vorsichtig. Wir gehorchen einfach einmal nicht, ignorieren Befehle oder geben ein leises Knurren von uns, wenn Frauchen versucht uns den Knochen abzunehmen. Wir sind froh, wenn unsere Leute dann richtig reagieren, uns zurechtweisen, den Befehl mit Geduld und Konsequenz durchsetzen - nicht mit Gewalt! Das Knurren überhört ein Boss, er hat es gar nicht nötig, sich damit auseinanderzusetzen, er nimmt einfach den Knochen weg und ignoriert uns.

Wir wissen genau um die Stimmung unserer Leute. Geht es ihnen gut, sind wir glücklich und gut drauf, sind sie traurig, spüren wir das auch und nehmen Anteil daran. Es kann sogar geschehen, dass wir bei schlechter Stimmung oder Streit in der Familie mit Unsauberkeit reagieren – wie Katzen es tun.

Haben wir also nur gute Eigenschaften? Ich meine ja, aber aus der Sicht des Menschen sind einige unserer Wesenszüge nicht ganz so hoch zu schätzen. Da ist zum einen unsere Sturheit – ich nenne es Gelassenheit – die einige Zweibeiner auf die Palme bringt. Zwar sagt man uns nach, dass wir – zusammen mit dem Whippet – aus der Gruppe der Sichthunde eine der Rassen sind, über die am leichtesten zu befehlen ist. Aber das ist relativ, allein schon, weil die Sichthunde generell keine geborenen Befehlsempfänger sind. Der Deerhound ist schnell gelangweilt, mag keine andauernden Wiederholungen und hat einen extrem starken Willen. Da ist die Auswahl einer geeigneten Hundeschule schon schwierig. Wenn andere Hunde begeistert zum fünfzehnten Mal zum Befehl „Sitz“ auf den Popo plumpsen, bleibt der Deerhound spätestens nach dem zehnten Mal „Sitz“ stehen oder liegen und ignoriert angebotene Belohnungen und Strafen. Man könnte es auch Charakterstärke nennen, die Zweibeiner sagen eben Sturheit. Einige denken auch, wir seien dumm, aber andere wissen, dass wir sehr klug sind, für einige unserer Besitzer sogar zu klug. Wir haben den Willen zu gefallen – ja, das ist wahr, aber in erster Linie tun wir Dinge, uns selbst zum Gefallen.

Eine unserer Stärken ist es, unser Heim so zu organisieren, dass es uns den größtmöglichen Komfort bietet. Das tun wir natürlich so vorsichtig und langsam, dass es niemand bemerkt. Sessel und Sofas erobern wir mühelos, irgendwann geben die Zweibeiner auf und kaufen noch einen Sessel dazu, damit sie auch ein nettes Plätzchen haben. Auch beim Fressen haben wir unsere Vorlieben, verweigern, wenn nötig, tagelang das Essen, bis wir unsere Lieblingsspeise bekommen. Der Mensch nennt das „mäkeliger Fresser“. Dabei wissen wir genau was uns schmeckt, und wir mäkeln nur, wenn wir das falsche Essen erhalten. Zartes Wildragout mit einer feinen dunklen Sauce und danach ein wenig Frischkäse mit Obst – ich möchte den Deerhound sehen, der da zögert. Also liegt das Problem auch hier wieder beim Zweibeiner.

Diese Charaktereigenschaften entwickeln sich natürlich erst mit dem Erwachsenwerden – erwachsen ist ein Deerhound ab etwa 2 Jahren. Vorher müssen wir durch verschiedene Phasen. Als Welpen sind wir sehr sensibel, brauchen viel Zuwendung, Geduld und Konsequenz. Zu viel Strenge oder Härte tun uns nicht gut, unter einer groben Behandlung werden wir niemals unser gesamtes Potential entfalten.
Wir wachsen schnell, aber auch wenn wir äußerlich schon größer sind, als andere Hunde im gleichen Alter, sind wir doch innerlich ganz lange „Kinder“. Manche Menschen überfordern uns, weil wir schon so groß aussehen. Dieses schnelle Wachstum birgt vor allem Probleme bei der Fütterung und der Bewegung. Aus diesem Grund kommen wir meistens nicht zu unseren neuen Familien, bevor wir 12 Wochen alt sind.



Gesundheit - Körperliches

Wir Deerhounds sind eine recht robuste und gesunde Rasse. 11-13 Jahre alt kann eine Deerhounddame und 9-11 ein Deerhoundherr werden. Gute Ernährung, viel Bewegung und vor allem ein glückliches Zuhause sind das beste Rezept, um ein zweistelliges Alter zu erreichen. Der Einfluss unserer psychischen Gesundheit ist dabei nicht zu unterschätzen. Es gibt Deerhounds, die sich vor Kummer und Gram aufgeben und daran sprichwörtlich zu Grunde gehen.

Ab und zu verletzen wir uns, wie alle Hunde, besonders aber die Windhunde, an den Pfoten – wer über Stock und Stein rast, dem passiert das schon einmal. Meist heilt die Verletzung schnell wieder. Um unnötige Unfälle zu vermeiden, sollten wir in der Nähe von Straßen besser an die Leine, denn – ich gebe es ungern zu - schnell geht der Hetztrieb mit uns durch, rennt auf der anderen Straßenseite ein Kätzchen oder ein Hase daher …

Es ist empfehlenswert, einen Tierarzt zu suchen, der sich mit uns Windhunden auskennt, denn wir haben doch einige Besonderheiten. Wir vertragen nicht jedes Antibiotikum und auch bei der Narkose ist einiges zu beachten.

Ich will aber hier nicht auf die ganzen Krankheiten eingehen, nur einen Hinweis möchte ich geben, auf eine besonders scheußliche Sache: Die Magendrehung, von der besonders Hunde bedroht sind, die einen tief nach unten gewölbten Brustkorb haben – das trifft auf uns ja zu. Unsere Zweibeiner sollten darüber informiert sein. Die genaue Ursache für eine Magendrehung ist nicht endgültig geklärt. Man nimmt an, dass die Ausdehnung des Magens wegen großen Futtermengen (bei Hunden, die nur einmal am Tag gefüttert werden), eine Erschlaffung des Gewebes im Alter und eine Gasentwicklung im Magen mit dessen anschließender Verdrehung eine Rolle spielen. Um dem Ganzen vorzubeugen, sollten wir daher möglichst mehrmals (mindestens zweimal) am Tag gefüttert werden und nach dem Fressen ruhen.

Falls es aber doch einmal geschehen sollte, dann muss rasch gehandelt werden. Wir müssen sofort (!) zum Tierarzt oder in eine Tierklinik gebracht werden, wenn wir folgende Symptome zeigen:
Würgen, ohne dass nennenswerte Mengen Mageninhalt herauskommen - meistens nur geringe Mengen Schleim oder Flüssigkeit. Anfangs starke Unruhe, Zögern aufzustehen oder sich bewegen, straff zu stehen, später Apathie, weil der Kreislauf versagt. Der Bauch ist meist aufgebläht und fühlt sich hart an.



Wahre Schönheit – Äußerliches

Da zitiere ich kurz aus dem „Rassestandard für den Deerhound“ FCI-Nr. 164a

Gesamterscheinung: Einem rauhaarigen Greyhound ähnlich, aber größer und von kräftigerem Knochenbau.

Charakteristika: Der Körperbau ruft den Eindruck einer einzigartigen Kombination von Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer hervor, die erforderlich ist, um einen Hirsch niederzureißen; dennoch ist die allgemeine Haltung von Würde geprägt.

Ich stimme dieser Beschreibung zu – aber ich denke, Sie sollten lieber einen Deerhound kennen lernen und ihn betrachten, das ist allemal besser, als einen Text zu lesen. Darum verzichte ich auf die weitere detaillierte Beschreibungen von Auge bis Zeh. Gehen Sie am besten einmal auf eine Windhundeausstellung – da sind immer die Schönsten von uns.